Wenn die NEOS Märchen erzählen
- Friday, 7. May 2021 @ 12:34
US-Präsident Biden plädierte jüngst dafür, den Patentschutz bei Corona-Impfstoffen zu lockern. Gerald Loacker, NEOs-Gesundheitssprecher, stimmt dem, wie er kundtun ließ, nicht zu. Seine mehr als gewagte Behauptung: "Patentschutz ist die Voraussetzung dafür, dass weiter in Innovation investiert wird (...) Eine Freigabe der Patente würde das Problem nicht lösen"."Wenn sich das Risiko der Produktentwicklung nicht rechnen kann, weil der Patentschutz fehlt, bestehe die Gefahr, dass bei der nächsten Pandemie kein Unternehmen mehr in Impfstoffentwicklung investiert", so das Märchen, welches Loacker auftischt.
Dass Ugur Sahin und Özlem Türeci, die Biontech gründeten, und andere Forscher*innen nicht nach einem Impfstoff geforscht hätten, wenn es keinen Patentschutz gegeben hätte, darf mehr als bezweifelt werden. Wenn sich Sahin gegen die Freigabe von Lizenzen ausspricht, so hat dies wohl mehr mit den Interessen seiner privaten Geldgeber und der Pfizer-und Biontech-Aktionäre zu tun, als mit seinem Forschungsdrang.

Als "Game-Changer" präsentierte Bundeskanzler Kurz, der den Kampf gegen die Pandemie zur Chefsache erklärte, rund um Weihnachten 2020 die verschiedenen Corona-Impfstoffe.
Man kann bezüglich der Sinnhaftigkeit von Lockdowns vorzüglich streiten und dementsprechend diverse relevante und nicht-relevante Studien oder Meinungsvorschläge teilen. Was allerdings ein Sittenbild unseres Systems darstellt, ist der Vorschlag eines sogenannten Wochenend-Lockdowns.
Am 22.Juni versammelten sich unter dem Aufruf „Reale Verbesserungen statt Applaus. Die Beschäftigten im Gesundheitsbereich haben genug von eurer Politik!" mehr als 200 Bedienstete des österreichischen Gesundheitswesens um 16 Uhr am Wiener Heldenplatz. Unter der Beteiligung von zahlreichen Bündnissen wie "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", der oppositionellen Gewerkschaftsliste "Solidarität Für faire Löhne & Arbeitsbedingungen" sowie "CARE Revolution Wien" forderten die Pfleger_innen spürbare Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen in den österreichischen Krankenanstalten. Aufbauend auf den Kämpfen gegen die mangelnden Optimierungsmöglichkeiten im Zuge des neuen Besoldungssystems im KAV (seit kurzem: Wiener Gesundheitsverbund) fordern die Beschäftigten eine 35h-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich, bessere Personalschlüssel sowie ausreichendes Arbeitsmaterial, die Möglichkeit zur Altersteilzeit sowie die Verhinderung der Pflegelehre.
Wie viel Geld das neue Logo, die Neugestaltung der Homepages, die stufenweise Neubeschaffung von Dienstkleidung, Drucksorten, Infomaterial und Türschildern und die großflächige Umgestaltung von Eingangsbereichen bzw. die Umstellung von Leitsystemen kosten wird, ist unbekannt.*
* 2,7 Prozent mehr Lohn in diesem Jahr
Einer parlamentarischen Anfragebeantwortung ist zu entnehmen, dass für die ersten 12 Monate der neuen ÖGK ein Verlust von 175,3 Millionen Euro erwartet wird. Kumuliert berechnet wird bis 2024 ein Bilanzverlust von 1,7 Milliarden Euro prognostiziert. Statt der von Kurz versprochenen „Patientenmilliarde“ soll jetzt der „Gürtel enger geschnallt“ werden.
Kürzlich hat der KAV die öffentliche Warteliste für Operationen in überarbeiteter Form wieder online gestellt. Ein erster Blick auf die „neue“ Warteliste würde klar machen, so VP-Wien Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec, "dass es weiterhin massive Probleme mit OP-Wartezeiten gibt, die einer Weltstadt wie Wien nicht würdig sind. So müssen Patientinnen und Patienten auf gewisse Operationen immer noch im Durchschnitt rund vier bis fünf Monate warten."*
Vor einigen Tagen verkündeten Bürgermeister Ludwig und sein Finanzstadtrat voller Stolz, dass die Stadt Wien bereits 2019 ein ausgeglichenes Budget geschafft habe, im Vollzug eine „schwarze Null“ erreicht werden konnte.*
Eine wichtige gesellschaftliche Daseinsvorsorge der Stadt ist die Behandlung und Betreuung in den Spitälern des Krankenanstaltenverbundes (KAV). Es ist allerdings kein Geheimnis, dass es – durch Sparzwang und daraus resultierenden Umstrukturierungen - für die Beschäftigten dort immer schwerer wird, PatientInnen so zu betreuen, dass diese auch gesund werden können. Nun regt sich auch erfolgreicher linker Widerstand!
Diesen Dienstag manifestierte sich eine Demonstration mit ca. 400 TeilnehmerInnen von MitarbeiterInnen des Krankenanstaltenverbundes Wien, zum Großteil aus der Pflege. Die Kämpfe gehen schon lange, um bessere Arbeitsbedingungen und Löhne für MitarbeiterInnen im Gesundheitssystem der Stadt.
Die Situation in den Wiener Spitälern ist mittlerweile „untragbar“








