Linke lehnt Vertrag von Lissabon im EU-Parlament ab
- Monday, 3. March 2008 @ 20:11
Unerwähnt im angenommenen Bericht blieb auch, dass eine der wesentlichen Gründe für die Ablehnung des Verfassungsvertrages die Sorge vieler Bürgerinnen und Bürger in Frankreich und in den Niederlanden war, dass der soziale Zusammenhalt in einem Europa des neoliberalen Binnenmarktes mehr und mehr zerstört wird. Direkt nach den Volksabstimmungen war diese Sorge den Eliten Europas noch sehr wohl bewusst. Damals forderte denn auch Angela Merkel, dem Verfassungsvertrag ein Sozialprotokoll anzufügen. Davon ist jetzt allerdings keine Rede mehr. In dem vom Parlament angenommenen Text wird dieses Sozialprotokoll nicht einmal mehr erwähnt.
Die Linke im Europäischen Parlament (die KPÖ ist Mitglied in der Europäischen Linkspartei) hat den Bericht über den Vertrag von Lissabon und damit auch den Vertrag selbst so gut wie geschlossen abgelehnt, "vor allem weil darin keine Fortschritte in Richtung auf ein soziales Europa und die Demokratie vorgeschlagen werden, die Liberalisierung zum Nachteil insbesondere der öffentlichen Dienste und der Beschäftigung beschleunigt wird und die Militarisierung der Europäischen Union vorangetrieben wird" (vgl. Änderungantrag Nr. 31).
In ihrem Änderungsantrag Nr. 36 wies sie darauf hin, dass "die Bestimmungen der derzeitigen Verträge, auf die sich der Gerichtshof vor kurzem gestützt hat, um Sozialdumping zu rechtfertigen und Arbeitskampfmaßnahmen der Arbeitnehmer der Wahrung der Dienstleistungsfreiheit unterzuordnen (Urteile Vaxholm und Viking Line), vollständig in den Vertrag von Lissabon aufgenommen wurden." Und sie forderte, "dass das Recht auf Arbeitskampfmaßnahmen im ausschließlichen Zuständigkeitsbereich der Mitgliedstaaten verbleibt."
Die von Sozialdemokraten und Grünen verbreitete Hoffnung, dass sich durch die eine oder andere kosmetische Änderung im Vertragstext etwas an der wirtschafts- und sozialpolitischen Orientierung der Europäischen Union ändern wird, ist auf Sand gebaut. Wer wirklich ein anderes, demokratisches, soziales und friedliches Europa will, muss vielmehr diesen Lissabonner Vertrag zurückweisen.
(aw)



