Lesen wird teurer
- Wednesday, 9. January 2008 @ 06:51
Gebührenerhöhung, ein Wort, das in den letzten Monaten häufig zu lesen war. Seit 1. Jänner 2008 kann es auch in den städtischen Büchereien Wiens, die ihre Gebühren anhoben, nachgelesen werden. Schade, dass man selbst in den Büchereien nur zu lesen bekommt, dass die Gebühren „angepasst“ werden mussten. Mitte 2007 stellte eine KundInnenbefragung den städtischen Büchereien gute Noten aus, sehr gute sogar und eigentlich zu Recht. Mit der KundInnenorientierung und Fachkompetenz der MitarbeiterInnen waren über 90% der Befragten „zufrieden„ bzw. „sehr zufrieden“ und auch hinsichtlich dem Erscheinungsbild, der Aufstellung usw. waren die LeserInnen überwiegend zufrieden.Die Anfang des Jahres erfolgte Anhebung der Gebühren würde wohl kaum so hohe Zufriedenheitswerte erzielen. Im Gegenteil: „Das darf aber nicht wahr sein!“, schreibt – sicher für viele BenutzerInnen stellvertretend – wütend, „eine Pensionistin mit wenig Pension“, wie sie selbst sagt, ins Gästebuch auf der Homepage der Büchereien Wiens und mokiert sich mit diesem Ausruf bei den „zuständigen Preisauftreibern“ über die nun in Kraft getretene Gebührenerhöhung.
Eine Empörung, die der stellvertretende Leiter der MA 13, Dr. Erich Schirhuber, der im Gästebuch antwortet, nicht zu teilen Willens ist. Dafür führt er auch durchaus gute Gründe an. Immerhin fiel die „Gebührenanpassung“, wie Teuerungen gerne genannt werden, insgesamt betrachtet moderat aus. Die Kosten der Jahreskarte, die Leihgebühr für audiovisuelle und interaktive Medien blieben unverändert. Die ermäßigten Gebühren wurden nicht angetastet.
Auf der anderen Seiten stiegen die Säumnisgebühren und diverse Verwaltungsgebühren (z.B. das Ausstellen einer neuen Büchereikarte) an. Und diese, so argumentiert Schirhuber, liegen ja ausschließlich im Einflussbereich der BenutzerInnen, denn niemand müsse mit der Rückgabe säumig sein oder seine Benutzerkarte verlieren. Weiters stieg die Gebühr von Vorbestellungen. Geringfügig, behauptet Schirhuber, der wohl eine Erhöhung um 42% als geringfügig empfindet. Damit wird ein zentrales Service der Wiener Büchereien deutlich teurer, was bedauerlich ist.
Nüchtern betrachtet ist die Gebührenerhöhung aber nicht skandalös. Das Problem ist vielmehr ein anderes und sicher keines, das für Wien spezifisch ist: Gebühren sind für viele Büchereien und Bibliotheken bei stagnierenden oder sogar sinkenden Etats zu einer unverzichtbaren Einnahmequelle geworden.
Die Argumentation von Erich Schirhuber ist demnach nur aus der betrieblichen Perspektive nachvollziehbar. Politisch ist jedoch eine „Gebührenanpassung“ ebensowenig notwendig wie die Abschaffung der Gebühren unmöglich. Bei entsprechendem politischen Willen könnten die Wiener Büchereien auch ohne der Einhebung von Gebühren finanziert werden, zumal dann BibliothekarInnen, die jetzt mit der Gebührenverwaltung beschäftigt sind, im Kundendienst eingesetzt werden könnten.
Kurzum: Die KPÖ-Wien ist für die kostenlose Nutzung der städtischen Büchereien (Ausnahme: moderate Säumnisgebühren).



