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Medienhetze gegen Critical Mass

  • Wednesday, 31. October 2007 @ 05:35
Österreich, Zeitung und Land, sind pro Auto. Und so alpin Österreich aus ist, die gleichnamige Zeitung ist einfach nur tief, so tief, dass von flach nicht mehr die Rede sein kann, wie ein bösartiger Hetzartikel gegen die monatlich stattfindende Raddemonstration Critical Mass beweist. Der Boulevard ist eben immer eine Autobahn, eine Lärm- und Abgasbelästigung wie der Autoverkehr, der tyrannisiert. Ein Kommentar von Roman Gutsch. Motorisierter Individualverkehr drängt Menschen an den Rand des öffentlichen Raums, zerstört die Umwelt, mindert die Lebensqualität, verpestet sie. All das tut er selbstverständlich.

Critical Mass, das monatliche, gemeinsame Radfahrerlebnis von VerkehrsteilnehmerInnen, die nicht mehr als Hindernisse betrachtet zur Seite gehupt werden möchten, verstößt gegen diese Selbstverständlichkeit. Und selbstverständlich wird jede Irritation der Selbstverständlichkeit attackiert, manchmal sogar in die Nähe des Verbrechens gerückt.

So forderte der Chefredakteur der Wiener Zeitung, Andreas Unterberger, mehr „law and order“ ein vor dem Hintergrund des „übergesetzlichen Status, den in Wien Radfahrer offensichtlich genießen.“ Das Radfahren der anderen als über dem Gesetz stehend zu erleben, ist wohl eine motorisierte Form des Verfolgungswahns. Es ist aber dennoch schön, dass uns Unterberger mit seinem entbehrlichen Ordnungsruf verrät, mit welchem Verkehrsmittel er nicht zur Arbeit fährt?

Noch um ein Vielfaches plumper, dreister und tiefer hetzte in der Vorwoche Josef Gally in der Zeitung Österreich. Er behauptete, dass die Halloween-Fahrradkundgebung mit Randalen endete. Autos, so Gally, wurden von „Radler-Ausrastern“ beschädigt. „Ausgeflippte Halloween-Radler“, die mit „Hexenmasken elegant das Vermummungsverbot“ umgingen, seien „wild“ geworden und hätten laut Zeugenaussagen mit „Pflastersteinen die Heckscheiben mehrerer Autos zertrümmert“. Eine infame Theorie für die Ursache des „Ausrasten“ blieb Gally nicht schuldig, in dem er süffisant fragte, ob „es am Spezialangebot von Glühwein“ lag, dass es zu den vermeintlichen Übergriffen auf die Blechkübeln kam. Beweise für die Sachbeschädigung gäbe es, wie er anmerkte, „freilich“ keine. Randalierende RadfahrerInnen wurden keine gesehen. Sind die erwähnten Zeugenaussagen demnach frei erfunden, eine journalistische Floskel ohne Bezug zum wirklichen Geschehen wie das Hexenfratzen zeigende Foto, das den Artikel illustrierte?

Der Artikel von Josef Gally ist eine einzige Schande, inhaltlich und stilistisch, reiht sich aber ein, in die fortgesetzten Versuche Critical Mass zu diskreditieren. Man erinnere sich nur an die schikanösen Kontrollen der Polizei am Treffpunkt von Critical Mass im August 2007. Damals wurden auf Anweisung „von oben“, wie die anwesenden Polizeibeamten eingestanden, alle Fahrräder auf ihre StVO-Tauglichkeit untersucht. Diese generalstabsmäßig durchgeführte Suche nach fehlenden Reflektoren, um einigen hundert Personen das gemeinsame Radfahren madig zu machen, zeigt, wie groß der Druck schon gewesen sein dürfte, der von so manchen intoleranten Autofahrern ausgeübt wurde. Man stelle sich nur vor, die Proteste von RadfahrerInnen würden dazu führen, dass ein Großaufgebot der Polizei auf einem Parkplatz eines Einkaufszentrums die Vollständigkeit der Autoapotheken flächendeckend kontrolliert. Was würde da wohl Josef Gally schreiben?

Critical Mass
Treffpunkt jeden dritten Freitag im Monat um 16:30 am Magaretenplatz!