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Der missbrauchte Missbrauch – Alkoholverbot auf Plätzen

  • Thursday, 24. May 2007 @ 11:43
Ursula Stenzel missbraucht die Debatte, die rund um den Alkoholmissbrauch Jugendlicher entstanden ist, um ihr reaktionäres Verständnis von öffentlichem Raum weiter umsetzen zu können. Unterstützt wird sie darin von Bürgermeister Häupl. Geht es nach der Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt sollen u.a. der Morzin-, der Rudolfs-, der Karls- und der Schwedenplatz zu alkoholfreien Zonen erklärt werden. Vom Alkoholverbot ausgenommen sind natürlich Lokale und deren Gastgärten. Wer hinter dieser geplanten Maßnahme die Sorge um die Gesundheit Jugendlicher sieht, verkennt die tatsächliche Intension dieses Vorhabens.

Alkoholfreie Plätze sind alles andere als ein Instrument, um Jugendliche vor Alkoholexzessen zu bewahren. Die gesellschaftlichen Antworten, die auf den übermäßigen Drogenkonsum von Kindern und Jugendlichen zu geben sind, lauten: attraktiveres Bildungssystem, verbesserte Arbeits- und somit Zukunftsaussichten und mehr Jugendangebote ohne Konsumzwang – so verfügt die Innere Stadt über kein Jugendzentrum.

Das Konzept der alkoholfreie Zone zielt vielmehr darauf ab, bestimmte Personengruppen aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen, u.a. sozial Schwächere, die es sich nicht leisten können, ein Lokal zu besuchen. Hat das Bier ohne Bedienungszuschlag etwa mehr Alkoholgehalt als eines, das im nahen Supermarkt oder beim Würstelstand gekauft wurde?

Öffentlicher Raum ist eben kein offener Ort, sondern ein Ort, der gesellschaftliche Verhältnisse widerspiegelt und für gewisse soziale Gruppen Zugangsbarrieren bereithält. Jene, die den Konsum stören oder zu einer bestimmten Form des Konsumieren nicht fähig bzw. willens sind, werden Schritt für Schritt aus dem Stadtzentrum ausgeschlossen. Die Umstrukturierung der Innenstadt zu einem Standortfaktor und die damit verbundene Definition des Zentrums als einen einzigen Geschäftsanbahnungsbereich, schließt die City für Menschen, die auf den Konsummeilen auf der Strecke bleiben.

Dass der Vorschlag von Ursula Stenzel, den sich Bürgermeister Häupl „in petto halten“ möchte, nur den Alkoholmissbrauch missbraucht, um den Ausschluss bestimmter, unliebsamer Gruppen aus bestimmten Bereichen des öffentlichen Raums restriktiv durchsetzen zu können, zeigt sich allein darin, dass sich vor allem der Sicherheitssprecher der ÖVP, Wolfgang Ulm, für das Alkoholverbot auf Plätzen ausspricht. Das Trinken zwei Meter neben einem Schanigarten wird also in der ÖVP als Sicherheitsproblem wahrgenommen. Das Trinken im Schanigarten offenbar als eine konforme Form, Alkohol zu sich zu nehmen.