Friday, 2. December 2011 @ 10:50
Das es am Ende so schnell geht, hätten nicht einmal die größten
OptimistInnen geglaubt. Seit gestern Nachmittag ist klar: Nach 2012
wird es keinen Ball der Rechtsextremen mehr in der Hofburg geben. Wie
aber kam es zu dieser erfreulichen Entwicklung? Ein kleiner Rückblick.2010-2011 - Der kriminalisierte Protest
Zwei Jahre in Folge waren alle Bemühungen auf demokratische Art Widerstand auf der Strasse umzusetzen fehlgeschlagen. Mit abenteuerlichen Rechtsbrüchen und -beugungen setzte die Polizei eskalierende Zeichen der Solidarität mit den walzernden Faschisten. Demonstrationen wurden untersagt, wer sich trotzdem versammelte wurde von tausend Robocops durch die Stadt gejagt, gekesselt, angezeigt, diffamiert. Ein Klick auf unsere Rubrik Antifaschismus listet Artikel und Pressemeldungen aus den letzten Jahren auf - mit Abstand die meisten davon thematisieren den WKR Ball.
Umdenken 2012 - Für ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis
Die Lehren aus den letzten Jahren zusammen mit dem leuchtenden Beispiel Dresden (Wo zwei mal in Folge ein Naziaufmarsch verhindert werden konnte) führte bei vielen antifaschistischen Organisationen und Einzelpersonen zur Erkenntnis, dass nur ein wirklich breites Bündnis aus zivilgesellschaftlichem Widerstand eine Chance haben könnte, etwas zu bewirken. Die KPÖ war von Anfang an (und ist auch weiterhin) Teil des Bündnisses "Offensive gegen Rechts" und VetreterInnen unserer Partei nahmen auch an der Aktionskonferenz gegen den WKR Ball am letzten Wochenende teil. Dass es dann aber so schnell ging mit dem "Sieg" hat wohl viele überrascht - auch in den eigenen Reihen. Was war in den Tagen davor geschehen?
Das Kapital und die Rechtsextremisten - bis gestern untrennbar
Es setzte sich die Erkenntnis durch, dass man die Rechte auch mit einer ihrer eigenen Waffen schlagen kann. Mit dem Kapital. Also wurde heuer genau dort angesetzt.
Wer in den Jahren zuvor die Appelle an den Bundespräsidenten und andere Würdenträger der Republik gerichtet wurden, dieses Treiben in der Hofburg endlich zu beenden, bekam immer dieselbe blöde Ausrede aufgetischt: Wir können nichts tun, die Hofburgbetreibergesellschaft ist ein privates Unternehmen.
Also sahen sich die AntifaschistInnen eben dieses Unternehmen genauer an. Zu den Eigentümern gehören neben den Casinos Austria und dem Verkehrsbüro auch einige Hotels der höchsten Kategorie. Allesamt Unternehmen, die ihr Geld im Ausschlachten des imperialen Erbes und des schönen Scheins verdienen. Und dieses zeitlose Sissi-Image ist teil ihres Kapitals. Nachdem die Casinos Austria (Mit nur 2% Beteiligung an der Gesellschaft) am Montag ankündigte, in der gestrigen Eigentümerversammlung gegen eine weitere Vergabe der Hofburg an die Rechtsextremen zu stimmen, war die Phalanx der Betonierer endlich gebrochen.
Neue Formen des Widerstands - Tastatur und Bildschirm statt Hammer und Sichel
Und die AntifaschistInnen setzten genau hier an. Man begann damit, gezielt die anderen Eigentümer anzuschreiben und aufzufordern, es den Casinos gleichzutun. Bald war auf den Facebook-Accounts der Fünfsternhotels keine Spur mehr von Weihnachtsstimmung. AntifaschistInnen und Burschenschafter führten dort hitzige Debatten über den WKR-Ball. Am Beispiel der Hotel Sacher Pinnwand zeigt sich dann wie sich im Laufe nur eines Tages aufgrund des zivilgesellschaftlichen Drucks die Kräfteverhältnisse zu verschieben begannen. Bei den anderen Eigentümern lief de facto dasselbe ab.
Auf die ersten Aufforderungen, den WKR Ball nicht mehr stattfinden zu lassen, antwortete man dort mit "Wir respektieren Ihre private Meinung und denken jedoch dass hier nicht der geeignete Rahmen für derartige politische Diskussionen ist. Der Ball steht in keinem Zusammenhang mit dem Hotel Sacher und die Statements sind daher gegenstandslos."
Antifaschismus als Privatmeinung? Das Sacher hat damit nichts zu tun? Diese Info wurde natürlich über Twitter, Facebook und Internetforen umgehend geteilt - und spätestens als die ersten Medienvertreter bei Frau Gürtler anriefen und fragten, ob denn das wirklich ihre Position sei, dürfte sich die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass sich hier ein Sturm zusammenbraut. Im englischen nennt man das Phänomen übrigens bezeichnenderweise "shitstorm".
Schon kurz darauf erschienen erste Kommentare wie: "Ääääh ... Sachertorte mit brauner Garnierung? Burschenschaften im Traditionscafé ... :-(" im Internet und verbanden endgültig das Image des Hauses mit dem des WKR Balls.
Spätestens hier wird jeder PR-Berater den Verantwortlichen gesagt haben: "Wenn Ihr jetzt nicht sofort die Reissleine zieht, dann wird die Marke beschädigt und ihr kommt unter mediales Dauerfeuer." Noch am frühen Nachmittag desselben Tages fällte die Eigentümerversammlung der Hofburgbetriebsgesellschaft die einzig richtige Entscheidung.
Dieser Erfolg gehört der gesamten Zivilgesellschaft - keiner Partei allein
Erkämpft haben diesen Sieg alle Kräfte, die über die Jahre in welcher Form auch immer anhaltenden Widerstand geleistet haben. Es gehören dazu nicht nur einzelne Parteien und Vereine, sondern AntifaschistInnen aus allen möglichen Zusammenhängen. Es gehören auch die Vertreter der kritischen Medien dazu, die, teils unter erheblichen Risiken, dokumentierten, wie die Polizei die Bürgerrechte aushebelte.
Und obwohl die KPÖ auch mit Fahnen an den Protesten teilgenommen hat, würden wir niemals so weit gehen, uns diesen Sieg auf ebendiese Fahnen zu schreiben. Solche Bescheidenheit scheint aber Rot und Grün fremd zu sein, wie deren gestrigen Aussendungen zeigen.
Auch der letzte WKR-Ball muss und wird verhindert werden!
Schon in der Aussendung der Eigentümer wird den Ballveranstaltern nahegelegt, trotz bestehender Verträge auf die Abhaltung des Balls zu verzichten.
Die KPÖ wird Seite an Seite mit AntifaschistInnen des Bündnisses "Offensive gegen rechts" auf die Strasse gehen, um ein starkes Zeichen gegen die Wiedergänger zu setzen. Denn einen Aufmarsch von rechten Kolonnen ausgerechnet am Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee werden wir in dieser Stadt nicht dulden. Auch dann nicht, wenn es das letzte mal ist, dass dieser Aufmarsch in der Hofburg stattfinden soll.
Nikolaus Lackner