Regionalbahnen Niederösterreich: Land vernichtet Kulturgüter und zerstört Öffentlichen Verkehr

Tuesday, 13. July 2010 @ 07:00

Der überregionale Verein Probahn (www.probahn.at[*1] ) wendet sich mit einem Hilferuf an Menschen aus Niederösterreich und darüber hinaus, um dem Kahlschlag bei den Regionalbahnen in NÖ entgegenzutreten.

Seit über zwei Jahren kämpft die überparteiliche Fahrgastvertretung probahn ÖSTERREICH gemeinsam mit den Bürger/-innen-Initiativen um attraktive Mobilitätskonzepte in NÖ, die die Regionalbahnen und Busverkehre optimal verknüpfen.

Das Land Niederösterreich ist davon unbeeindruckt und hat entschieden: 27 von 28 von den ÖBB an das Land übergebenen Regionalbahnen sollen zugesperrt werden. Zähes Ringen um Regionalbahnen

Im Jänner 2010 übernahm das Land Niederösterreich von der ÖBB 28 niederösterreichische Regionalbahnen. Diese Übernahme war mit dem Versprechen verbunden, die Linien zu modernisieren und attraktivieren. Von Einstellen, Zusperren, Ersatz durch Busse und Umwandlung in Radwege war damals keine Rede. Entsprechende Befürchtungen wurden sogar ausführlich dementiert (siehe auch: http://oesterreich.orf.at/noe/stories/419763[*2] ).

Landeshauptmann Erwin Pröll bricht Zusagen

Derzeit geschieht leider das genaue Gegenteil. Das Land NÖ schickt sich an, trotz eines Bundeszuschusses von ca. 170 Mio. Euro 27 der 28 Bahnstrecken zuzusperren, die Bahn-Immobilien zu vermarkten und bestenfalls den einen oder anderen Radweg statt der Bahnstrecke zu errichten, so im Ybbstal, im Thaytal, in der Wachau, – und das, obwohl Landeshauptmann Erwin Pröll etwa bei der Ybbstalbahn noch vor zwei Jahren deren Bedeutung für den Tourismus hervorgehoben hat. Was die Thayatalbahn betrifft, liegen mehrmalige schriftliche und und mündliche Zusagen von Seiten des Landes vor, die Strecke zu revitalisieren und den seit 1945 unterbrochene Schienenanschluss an das tschechische Netz bei Slavonice zu schließen (siehe auch: www.thayatalbahn.at[*3] ).

Kürzlich wurden die Tschechen vom Abwrackungsbeschluss des Landes informiert und total brüskiert. Sie selber haben ihren Teil der Strecke gerade modernisiert. Bürger/-innen-Initiativen wollen Bahnen übernehmen, werden aber vom Land abgewiesen, Bund und Land NÖ brechen EU-Recht, denn vor Einstellung von Bahnstrecken ist eine internationale Interessentensuche Pflicht, in der festgestellt werden muss, ob es andere Bahnbetreiber gibt, die den Bahnverkehr durchführen wollen. Das ist in NÖ nicht geschehen.

Im Ybbstal haben die Bürger/-innen eine Ybbstal-Entwicklungsgenossenschaft gegründet, welche die Bahn übernehmen und durch die Bayerische Oberlandbahn (BOB) betreiben will. Ein entsprechendes Angebot wurde dem Land übermittelt, Verhandlungen wurden aber seitens des Landes abgelehnt.

Das Land NÖ, schlecht beraten durch Fachbeamte mit wenig Eisenbahn-Know-How, sieht die Zukunft in NÖ ausschließlich im Busverkehr, zumeist nur von Montag bis Freitag. Seit Jahren propagiert die Politik die „Verlagerung des Schwerverkehrs von der Straße auf die Schiene“, in Niederösterreich geschieht das genaue Gegenteil: Während hunderte Millionen von Euro in den Bau von neuen Autobahnen und Schnellstraßen investiert werden, erscheinen die vergleichsmäßig geringen notwendigen Summen für die Attraktivierung der Regionalbahnen als zu teuer. Dabei läge es etwa im Bereich der Thaytalbahn nahe, die rasant zunehmenden Holztransporte aus Tschechien zu den Sägewerken des Waldviertels auf die Bahn zu verlagern.

Derzeit werden die Bürgermeister entlang von Bahnstrecken auf den Bahnabbau eingestimmt und zwar mit Versprechungen, Bahngründe für ihre Gemeinden erwerben zu können bzw. Umfahrungen finanziert zu bekommen (Ybbstal).
Das Land betrachtet die 170 Mio. Euro des Bundes als „Körbelgeld“ fürs Budget und scheint nicht bereit zu sein, dies zweckgebunden für die Regionalbahnen zu verwenden.

ProBahn richtet aktuell einen Hilferuf an die Künstler, Intellektuellen und Wissenschafter des Landes und bittet um unterstützende Stellungnahmen für die Webseite www.probahn.at[*1] : "Wir appellieren an Sie, die Bürger/-innen-Initiativen zu unterstützen, indem Sie sich persönlich für den Erhalt und die Attraktivierung der Regionalbahnen einsetzen und Ihre Reputation in die Waagschale werfen. Sie wissen selbst am besten, welche Wege Sie dabei gehen. Jedenfalls wäre eine klare Aussage von Ihnen, die wir auf die Homepage von probahn stellen, hilfreich. Vor allem wäre es uns ein Anliegen, dass Sie dies auch gegenüber Landeshauptmann Erwin Pröll und den Migliedern der Landesregierung tun."


KPÖ Wien - Regionalbahnen Niederösterreich: Land vernichtet Kulturgüter und zerstört Öffentlichen Verkehr
https://wien.kpoe.at/article.php/20100712022953262

[*1] http://www.probahn.at
[*2] http://oesterreich.orf.at/noe/stories/419763
[*3] http://www.thayatalbahn.at