Wiener Linien: Law & Order per Zufall?

Monday, 15. March 2010 @ 09:06

Die neuen Fahrgastbeiräte der Wiener Linien sind ausgewählt. Die Auswahl erfolgte aus den rund 400 Einsendungen „per Zufall“, wie das Institut, das von den Wiener Linien für die Durchführung des Auswahlverfahrens beauftragt wurde, den nicht zu Fahrgastbeiräten bestellten BewerberInnen mitteilte. In diesem Sinne ist nur zu hoffen, dass endlich „per Zufall“ ein Fahrgastbeirat bestellt wurde, der nicht den Law-and-Order-Kurs der Verkehrsbetriebe unterstützt und vorantreibt.

Liest man sich die Protokolle der letzten Sitzungen des alten Fahrgastbeirates durch (nur die Hälfte der Beiräte wurden jetzt neu bestellt), gewinnt man den Eindruck, dass ohne einer völlig überzogenen Aufregung über Essen und Betteln in den Anlagen der Verkehrsbetriebe keine Sitzung stattfinden kann. Im Jänner 2010 mokierte sich der Beirat in Form einer fetten Überschrift über die „Belästigung durch musizierende Bettler“. Im Text selbst wurde allerdings nur die „Sauberkeitsoffensive“ der Wiener Linien gelobt. Musizieren wird vom Beirat offenbar als eine akustische Verschmutzung wahrgenommen. Wahrgenommen hat der Beirat ferner, dass das „Sauberkeitspersonal“ ihre Aufgabe „zu locker nimmt“. Die belächelten und schlecht bezahlten Reinigungskräfte sollen offenbar ohne Rücksicht auf ihre Würde auch dann Müll vom Boden aufheben, wenn sie dafür zwischen die Beine von Fahrgästen greifen müssen.

Im November 2009 diskutierte der Beirat die Benimm-dich-Kampagne der Wiener Linien, während er sich drei Sitzungen zuvor (April 2009) für ein generelles Essverbot aussprach. In dieser Sitzung stieg auch die „Lärmbelästigung durch MP3-Player“ zu einem „Schwerpunktthema“ auf. Lieblingsthema blieb aber das Betteln: Im Juni 2009 wurde für eine bessere Zusammenarbeit mit der Polizei im Einsatz gegen Bettler appelliert und im September 2009 dann der Segen der Videoüberwachung gepriesen. Ein „Fahrraddiebstahl bei der Donauinsel“, so lautet die Erfolgsmeldung, konnte aufgeklärt werden. Mehr „Personeneinsatz vor Ort“ käme aber leider zu teuer.

Dieser kurze Rückblick auf die letzten Sitzungen des Fahrgastbeirates zeigen deutlich, dass „per Zufall“ keine Personen ausgewählt wurden, die mehrheitlich für eine weltoffene, urbane Mobilität in dieser Stadt stehen.


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