Friday, 18. January 2008 @ 09:33
Vor wenigen Wochen hat die Weltbank ein Regionalbüro für Osteuropa und Zentralasien in Wien Leopoldstadt eröffnet, da Wien, so der Weltbank-Vizepräsident, Shigeo Katsu, Drehscheibe zwischen Ost und West sei. Vizebürgermeisterin Renate Brauner begrüßte die Standortwahl bei der Eröffnung mit einer Mischung aus Diplomatie und ideologischer Bankrotterklärung.
„Das Weltbankbüro“, so Brauner, „reiht sich ein in den Kreis von Institutionen und Organisationen, die dem Frieden, der internationalen Sicherheit, der Stabilität und der humanen und ökonomischen Entwicklung verpflichtet sind.“
Dass diese sozialdemokratische Verbeugung vor der Weltbank nicht nur diplomatischen Notwendigkeiten geschuldet ist, sondern eine Haltung wiedergibt, zeigt sich auch daran, dass die Zeitung wien.at, die vom Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien herausgegeben wird, das Zitat von Brauner noch aufwertet, indem es die Weltbank über den grünen Klee lobt: „Die Weltbank unterstützt u.a. Wiederaufbaubemühungen nach Konflikten und hilft, die Milleniumsziele 2015 (...) zu erreichen.“
Wiederaufbau, Armutsbekämpfung! Die SPÖ plappert das verlogene Selbstbild der Weltbank einfach nach. Kein Wort der Kritik an der systematischen Ausbeutung von Rohstoffen, der Zerstörung von lokalen Wirtschaftskreisläufen durch subventionierte Importe, den massiven Umweltschäden durch Großprojekte im Interesse internationaler Konzerne, der wachsenden Armut durch erzwungene „Strukturanpassungen“ (z.B. Privatisierungen).
Wenn man Drehscheibe für die neoliberale Ausbeutung sein möchte, dann sieht man in der SPÖ offenbar einfach über die verheerenden Folgen der Weltbankpolitik hinweg.